Aus dem Vereinsleben



Impressionen vom Großtauschtag in der Aula der Realschule Grünstr. am 09.05.2004 :
(W. Dederichs)

Großtauschtage in der Aula und im Foyer der Realschule Grünstr. sind inzwischen zu einer festen Institution des Vereins geworden. Bereits mehr als anderthalb Jahre im voraus wird der Termin bei der Stadt beantragt, in der Hoffnung, anderen Vereinen zuvorzukommen. Da wir so früh dran sind, haben wir in der Regel Glück mit unseren Terminwünschen. Prognosen über Besucherzahlen lassen sich allerdings nur unzuverlässig abgeben. So war es auch diesmal. Parallele Tauschtage benachbarter Vereine waren nicht angemeldet. Also gute Voraussetzungen für zahlreiches Erscheinen. Alles wartete gespannt, ob wir wohl die 150 Besucher erreichen könnten. Was wir nicht bedacht hatten: am gleichen Tag war auch Muttertag. Also wie auch sonst immer: die Besucherzahl pendelte sich bei 120 Besuchern ein. Wieso ist das denn so wichtig, wird mancher fragen? Hinter solch einem Tauschtag steckt mehr als nur der Termin!
In der Planung muß berücksichtigt werden, wie viel Brötchen wir benötigen, wie viel Kaffee, wie viel Aufschnitt, wie viele Würstchen und zu guter letzt: wie viele Torten. Erste Entscheidungen im Vorfeld: wie viel Rahmen sollen wir diesmal zeigen? Welche Themen sind aktuell? Wer könnte was beisteuern? Für den, der ausstellt, ist es eine Herausforderung. Er muß das gestellte Thema intensiver als sonst üblich bearbeiten.Erstaunlich welche Wissenslücken sich da auftun. So zeigte sich beim Thema "Helgoland", dass Helgoland zwar am 01.07.1890 von England an Deutschland abgegeben wurde, aber nicht im Tausch gegen Sansibar, sondern im Tausch gegen Deutsch-Wituland. Wo liegt Deutsch-Wituland? Ach ja, das ist der Küstenstreifen des heutigen Kenia. Sansibar gehörte nie zu Deutschland. Sobald man sich dann in ein Thema vertieft hat, kommen automatisch auch benachbarte Gebiete hinzu. Im Zusammenhang mit dem Helgoland-Vertrag wurden nämlich noch weitere Gebiete mit England abgestimmt, u.a. die Grenzfestlegungen von Deutsch-Südwestafrika bis zum Sambesi und die Festlegung der Grenze des Betschuanalandes. Für die Ausstellung beschränkt sich das Thema auf Helgoland. Aber schon jetzt ist klar, in welche Richtungen das Thema Helgoland demnächst erweitert wird.
Anderen Ausstellern geht es ähnlich: Wann gab es in den USA die ersten Postflüge? Von wo, nach wo? Welche Kurierdienste gibt es mittlerweile in Deutschland? Gibt es schon wieder neue Plusbriefe? Gibt es öffentliche Verlautbarungen über die jeweiligen Änderungen der Ausgaben? jede Ausstellung ist ein Abenteuer. Nachdem die Zahl der Exponate und der Rahmen feststand, konnte die Form der Ausstellung festgelegt und die dafür benötigten Ständer bereitgestellt werden. Der Tauschtag selbst beginnt schon sehr früh. Ab 06:30 Uhr bis 07:30 Uhr werden die Richtungsschilder an den Laternenmasten und Bäumen angebracht.
  Früher haben wir das am Vortag erledigt, allerdings mit dem entsprechenden Schwund an Schildern bezahlt. Um 07:30 Uhr sieht man dann einige Gestalten auf dem Weg zum Reschop. Die Ausstellungsobjekte und die Ständer werden für den Transport zur Schule verladen. Werbematerial und Werbeständer werden eingepackt, die Kasse, die Abrechnungsbons, Schreibkram usw. Schon kurz vor 08:00 Uhr findet sich die erste Gruppe an der Schule ein. Auf die Hausmeister ist Verlaß. Punkt 8 Uhr öffnet sich die Schule und alle Helfer eilen zu ihren Einsatzpunkten. Erste Händler fangen schon an zu quälen: wann dürfen wir reiiiin? Wann gibt es Kaffeeee? Die erste Helfergruppe strömt in die Aula. Hier ist Bodybuilding angesagt: die Tische werden von den Wagen runtergestemmt und nach Plan aufgestellt. Wer schon mal solch einen Wagen geschoben hat, weiß, wie Schwergewichtler trainieren. Für unsere Truppe ist das noch eine der leichtesten Übungen. Wenn da nicht noch die Stuhlpyramiden wären. So 14 Stühle auf einem Haufen sind etwas schwierig zu jonglieren. Kaum sind die ersten Transportwagen abgeräumt, greifen schon die Händler zu, um ihre kartons aus dem Auto zu holen. In der Zwischenzeit waren die Damen in der Küche erfolgreich.
Die erste Kaffeemaschine mit 10 Litern ist durchgelaufen. Ein angenehmer Duft durchströmt das Foyer. Jetzt kann nichts mehr schief gehen. Die Truppe, die die Ausstellung aufbaut, fasst neuen Mut. Nachdem auch die Montageschrauben aus dem Reschop eingetroffen sind, kann der Endaufbau erfolgen. Irgendjemand hat ein paar der Rahmen auf den Kopf gestellt. Also aufmachen und die Sammlung neu reinstellen! Hat denn jemand an die Wühlkiste für die Jugendlichen gedacht? Die Tauschordnung des BdPh muß noch aufgehängt werden. Ach bitte, wo gehtīs hier zum WC? Dürfen die Händler schon in die Aula? Die Kasse ist jetzt eingerichtet. Die Bestuhlung in der Aula muß noch ein bischen geradegerückt werden. Die Gänge müssen für den Fluchtweg freigehalten werden. Wer hat denn schon wieder einen Händlertisch vor den Notausgang zur Turnhalle gestellt? Aschenbecher? Wieso? Darf in der Aula geraucht werden? Weißnich! Die ersten Händler und ihre Helfer strömen in die Aula.
Ich möchte auf die Fensterseite! Ich hatte aber 4 Tische bestellt! Warum kann ich nicht hinten an die Bühne, da kann ich mich besser ausbreiten!!! In der Zwischenzeit haben die Damen schon die erste Runde Brötchen geschmiert. Manche Händler haben eine weite Anreise und sind froh, dass sie bei uns ein so leckres Frühstück bekommen. Willi, wo sind die Eintrittskarten? Die ersten Sammler wollen in den Tauschraum! Norbert, wo ist der Aushang mit der Tauschordnung? Wer macht denn die Saalaufsicht? Hat jemand Unterschriftslisten mitgebracht, in die sich die Sammler eintragen können? Na gut, beim nächsten Mal! Wo sind die Preislisten für die Getränke? Wieso haben wir eigentlich keine Popdrinks für die Jugendlichen? Meinst du etwa Alcopops? Stunden später: Inzwischen sind die Mitglieder der ARGE Postgeschichte NRW eingetroffen und haben sich oben im Klassenraum in der ersten Etage zum Gedankenaustausch eingefunden. Manches schöne Stück wechselt den Besitzer. Es wird gefachsimpelt (ob die deutsche Rechtschreibung dieses Wort wohl durchgehen lässt?). Erste Sammler ziehen wieder von dannen. Manch einer um etliche Stücke reicher und um etliche Scheine ärmer. Die Resonanz bei den Händlern ist unterschiedlich.
Einige sind noch nicht auf ihren Schnitt gekommen, andere melden sich gleich schon fürīs nächste Mal an. Die Presse rückt an! Momentan tummeln sich über 100 Sammler in der Aula. Jedesmal wieder die gleiche Frage: was machen Sie hier? und jedes Mal wieder die gleiche Antwort: wir sammeln Altpapier. Der eine sucht Katastrophenpost, d.h. Belege von abgestürzten Flugzeugen, von untergegangenen Schiffen usw. Der andere sucht Briefmarken auf unterschiedlichem Trägermaterial (Kork, Blech, Folie Rinde etc.). Wer hat denn die erste Ausgabe der Viktoria postfrisch oder mit Malteserkreuz entwertet? Haben sie zufällig was mit Igeln drauf? Hier hat einer diverse Marken mit Bezirkshandstempel-Aufdruck.
Ob die wohl echt sind? Fälschungen: ein Thema, das für viele Sammler wohl doch etwas zu schwierig ist. Ein Grenzfall sind die gefälligkeitsentwerteten Stücke. Wer weiß schon, dass in der Ukraine die Poststempel zum Teil für jeden frei zugänglich sind. Und doch, trotz der unübersichtlichen Vielfalt unserer Sammelgebiete: man bringt von jedem Tauschtag ein paar interessante Sachen mit und ist anschließend wieder ein bischen klüger. Es ist schon interessant, manchem Sammler über die Schulter zu schauen. Man muß nur vernünftig fragen. Gegen 14 Uhr macht sich eine allgemeine Müdigkeit bemerkbar. Würstchen sind ausverkauft. Offensichtlich wurden zu wenig Brötchen eingekauft. Auch der Kuchen ist ratzeputz verzehrt worden. Wir beginnen mit dem Abbau der Ausstellung. Viele Besucher haben sich interessiert unsere Ausstellungsstücke angeschaut. Mancher hat wieder etwas dabeigelernt, zum Teil von Sammelgebieten, die ihm nur gelegentlich über den Weg laufen. In der Aula lichten sich die Reihen. Die ersten Händler packen ihre sieben Sachen. Schnell noch die Gebühren für die Händlertische einsammeln. Wichtig! Die Stadt hat die Miete für die Räumlichkeiten um 50% angehoben. Das ist aber ok. Schließlich hat die Stadt erhebliche Kosten für unsere Veranstaltung (Hausmeister, Heizung, Reinigung!).
Langsam beginnen wir mit dem Einsammeln der Tische und Stühle. Alles wieder zurück auf die Wagen. Unsere Besucher waren wieder sehr ordentlich. Fast kein Müll einzusammeln. Um 15 Uhr ist das gröbste geschafft. Die Aula ist wieder im ursprünglichen Zustand. Das Foyer ist aufgeräumt. Alles Geschirr ist gespült. Die Küche strahlt wieder im alten Glanz. Wir verabschieden uns vom Hausmeister. Nun müssen wir noch die Ausstellungsobjekte und Ständer zum Reschop zurückbringen und zu guter letzt noch die Wegweiser an den Laternenmasten einsammeln. O je. An der Friedrichstr. sind alle Schilder verschwunden. Keine Panik! Norbert hat einen Teil abgehängt. Ob wohl jemals ein Sammler zu Fuß von der S-Bahn den Schildern gefolgt ist? Auch da hatten wir unsere Wegweiser angebracht. Unsere Nachlese nach dem Tauschtag: ein neues Mitglied geworben. Am Tag darauf ist unser Verein wieder in der Presse. Wer weiß, vielleicht kommt dann doch mal der eine oder andere Leser wieder zum Briefmarkensammeln. Und wennīs nur der Ruck ist, den man braucht, um mal auf dem Speicher nachzuschauen, was da wohl noch von den Vorfahren liegen mag. Alles in allem wieder ein gelungener Tauschtag und wieder das Gefühl, im Team mit anderen Sammlern einiges bewegt zu haben. Nicht zu vergessen: unser Kassenwart hat heimlich schon wieder einen Obulus auf die Seite geschafft für unsere Vereinsfete im kommenden Jahr.



Rückblick auf den Großtauschtag am 12.01.2003 in der Realschule Grünstr.:

Der Verein hatte geladen und viele kamen. Diesmal waren nicht ganz so viele Sammler wie sonst angereist.
Einige hatte das indifferente Wetter abgeschreckt. Im Fernsehen war evtl. Glatteis avisiert worden.

Nichtsdestotrotz: die Sammler, die gekommen waren, konnten diesmal etwas besonderes besichtigen. In der Ausstellung waren Briefköpfe von Hattinger Firmen aus früheren Jahrzehnten zu sehen. Henrichshütte, diverse Kafferöstereien, das Kurhotel Schulenburg und vieles mehr war zu bestaunen. Gemessen an heutigen Briefköpfen hat man sich
  
       früher viel mehr Zeit zur Darstellung des eigenen Unternehmens genommen.Ein Teil der abgebildeten Bauwerke ist auch heute noch vorhanden. So konnte der geschichtlich Interessierte manche Parallelen zu früheren Zeiten herstellen.

Auswärtige Sammler lobten auch diesmal wieder die gute Verkehrsführung. Etliche Sammler ließen sich was von dem hervorragenden Kuchen als Mitbringsel für daheim einpacken. Und nicht zuletzt die Vielzahl der angereisten Händler konnten ein buntes Angebot an Belegen und Briefmarken feilbieten, sodaß für jeden etwas dabei war.

Schon jetzt haben sich viele wieder für nächstes Mal am 09.11.2003 am gleichen Ort und zur gleichen Zeit verabredet. Am 9.11 werden Sammlerfreunde des Berliners Ganzsachensammlervereins (BGSV) und der ARGE Postgeschichte in NRW bei uns zu Gast sein. Für viele sind daher die Hattinger Tauschtage schon soetwas wie eine Institution geworden.